Projekte

Kurzzusammenfassungen der bislang von der Stiftung Deutsch-Amerikanische Wissenschaftsbeziehungen geförderten Projekte

 

CROSS-CULTURAL COLLABORATION ON ARTIFICIAL INTELLIGENCE LITERACY 
FOR FUTURE TEACHERS IN ENVIRONMENTAL SCIENCE EDUCATION

Ph.D. Arya Karumanthra (Indiana University Bloomington)
Dr. Neli Heidari (Universität Bremen)
Dr. Asli Sezen-Barrie (University of California)

Förderzeitraum: 2025

Das Projekt TEACH-AI (Teacher Education for AI and Climate Harmony) fördert die transatlantische Zusammenarbeit zwischen der Universität Bremen und der University of California, Irvine. Es fokussiert die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) und Klimawandelbildung in der Lehramtsausbildung an Hochschulen. Die Vereinigten Staaten haben kürzlich nationale Prioritäten für die KI-Bildung definiert und die Einrichtung einer Task Force zur Förderung der KI-Kompetenzen vorangetrieben. Allerdings bleibt die Klimawandelbildung in den USA bislang weitgehend auf naturwissenschaftliche Wahlfächer beschränkt. Deutschland hingegen hat die Klimawandelbildung im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) fest in den Hochschulcurricula der geographischen Lehramtsausbildung verankert. Das Projekt nutzt die komplementären Stärken beider Kontexte – die US-amerikanische Innovationskraft in der KI-Bildung sowie die institutionellen Grundlagen Deutschlands in BNE, einschließlich der Umwelt- und Klimawandelbildung –, um transatlantische Lehr-Lernmodule zu entwickeln und so eine fachspezifische KI-Literacy in die Lehramtsausbildung der Geographie und Umweltbildung zu integrieren.

Da angehende Lehrkräfte wichtige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für KI-Literacy sind, fördert die fachspezifische Einbindung von KI eine kritische, zugleich offene Haltung zukünftiger Lehrkräfte im Hinblick auf ihre pädagogische Praxis. Ein zentrales Anliegen bei der rasanten Entwicklung von KI-Tools besteht darin, dass diese häufig zur Automatisierung bestehender pädagogischer Praktiken genutzt werden, anstatt ihr Potenzial auszuschöpfen, Unterricht und Lernen neu zu gestalten. Eine unkritische Integration birgt die Gefahr, Empathie, Kreativität und kritisches Denken von Schülerinnen und Schülern zu vernachlässigen oder zu hemmen.

Im Projekt TEACH-AI stehen daher die Förderung von KI-Literacy und ihre Verknüpfung mit BNE im Mittelpunkt. Die Umsetzung erfolgt durch eine Curriculumanalyse, Interviews sowie gemeinsam entwickelte Lehr-Lernmodule, die in einem an der University of California, Irvine, und der Universität Bremen pilotierten Kurs erprobt werden. Die Ergebnisse von TEACH-AI können dazu beitragen, die Lehramtsausbildung zukunftsorientiert weiterzuentwickeln, sodass Fehlinformationen, Fragen der Datenethik und Aspekte der Nachhaltigkeit systematisch adressiert werden.

 

ZWISCHEN IMPERIUM UND EXIL: 
AFROAMERIKANISCHES DENKEN UND 
DIE DEUTSCHE KOLONIALE PHANTASIE

Dr. K. Bailey Thomas (The University of Rhode Island, Department of Gender and Women’s Studies)
Dr. Helen A. Gibson (Freie Universität Berlin, Abteilung Geschichte)

Förderzeitraum: 2025

Dieses Projekt rückt Deutschland als wichtigen und bislang wenig beachteten Ort in der afroamerikanischen Geistesgeschichte in den Mittelpunkt. In Deutschland, wo Schweigen über Rassismus neben der intellektuellen Aufklärung der Schwarzen existiert, haben sich schwarze Denker historisch mit europäischen Kolonial- und Rassennarrativen auseinandergesetzt und diese neu interpretiert. Die Rolle Deutschlands im schwarzen Internationalismus ist wenig bekannt, zeigt sich aber auch im Leben und Werk von Menschen wie W.E.B. Du Bois, Audre Lorde und Angela Davis. Das in Berlin angesiedelte Projekt bietet eine diasporische Sichtweise auf die deutsche Erinnerungspolitik und untersucht umstrittene Geografien von Rasse, Imperium und Freiheit.

Dieses von der Stiftung für deutsch-amerikanische akademische Beziehungen (SDAW) finanzierte Projekt stellt drei zentrale Fragen: Erstens, wie haben die intellektuellen Aktivitäten von Afroamerikanern in Deutschland neue Interpretationen von Imperium, Rasse und Kolonialismus geprägt und beeinflusst? Zweitens, was sagen uns die aufgezeichneten Geschichten von Menschen und andere Primärquellen aus Berliner Archiven über den Austausch zwischen afroamerikanischen Denkern und afrodeutschen Gemeinschaften? Und drittens: Wie prägt dekoloniales Africana-Wissen Erinnerung, Identität und politischen Widerstand in der Erinnerungskultur Deutschlands?

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass es eine deutsche Achse in der transatlantischen Geistesgeschichte der Schwarzen eröffnet. In diesem Rahmen dient Deutschland nicht als Kulisse, sondern als Ort der Reflexion über philosophische und politische Ideen der Schwarzen. In Deutschland haben Wissenschaftler wie Alexander Ghedi Weheliye und Fatima El-Tayeb das Fachgebiet der Black Studies geprägt. Historische Persönlichkeiten wie William Pickens haben den schwarzen Internationalismus und Antiimperialismus gefördert und damit frühe Theoretiker der Frankfurter Schule und Politiker der Weimarer Republik beeinflusst. Durch die Interaktion zwischen afroamerikanischen und afrodeutschen Wissenschaftlern zeigt dieses Projekt, wie Deutschlands koloniale Amnesie – das selektive Vergessen seiner kolonialen Vergangenheit – und seine Erinnerungspolitik das afroamerikanische Denken beeinflusst haben und umgekehrt von diesem beeinflusst wurden. Das Projekt zeigt auch, wie die Verbindungen zwischen Rassismus und Kolonialismus in den Köpfen der Afroamerikaner, die nach Deutschland kamen, sowohl verdeutlicht als auch hinterfragt wurden.

Dr. K. Bailey Thomas, Eleanor M. Carlson Gastprofessorin am Institut für Gender- und Frauenforschung der University of Rhode Island in den Vereinigten Staaten, und Dr. Helen A. Gibson, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin, sind die Hauptverantwortlichen des Projekts. In der ersten Phase des Projekts im Frühjahr 2026 werden die Projektteilnehmerinnen wichtige Werke diskutieren, darunter W.E.B. Du Bois' The Souls of Black Folk, Audre Lordes Zami, Autobiography, Jennifer L. Morgans Reckoning with Slavery und Christina Sharpes In the Wake. In dieser Phase des Projekts werden sie ihre Forschungsvorhaben weiterentwickeln.

Im Herbst 2026 werden Dr. Thomas und Dr. Gibson einen dreitägigen Workshop an der Freien Universität Berlin veranstalten. Der Workshop umfasst Vorträge von Nachwuchswissenschaftlern, einen Dialog mit afrodeutschen Intellektuellen und öffentlichen Historikern, einen öffentlich zugänglichen Teil des Workshops, um wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse zusammenzubringen, sowie eine gemeinsame Schreibsitzung zur Vorbereitung einer gemeinsamen Publikation. Dr. Thomas und Dr. Gibson sind zutiefst dankbar für diese Gelegenheit, die Beziehungen zwischen Wissenschaftlern der schwarzen kritischen Theorie in Deutschland und den Vereinigten Staaten zu stärken.

 

GEWALT GEGEN PERSÖNLICHKEITEN DES ÖFFENTLICHEN LEBENS 
IN ZEITGENÖSSISCHEN DEMOKRATIEN

Prof. Dr. Jonas Wolff (Peace Research Institute Frankfurt (PRIF))
Prof. Juan Albarracin Dierolf, PhD (Department of Political Science, University of Illinois Chicago)

Förderzeitraum: 2024

Das Ziel des Projekts war es, Experten von beiden Seiten des Atlantiks zusammenzubringen, um eine zentrale Herausforderung für Demokratien in Amerika, Europa und darüber hinaus zu diskutieren. Zu diesem Zweck wurde an der University of Illinois Chicago ein internationaler Workshop organisiert, an dem Wissenschaftler aus Deutschland, den USA und Brasilien teilnahmen. Die Gruppe bewertete gemeinsam den Stand der wissenschaftlichen Forschung zu gezielter Gewalt gegen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, diskutierte laufende Studien über die Ermordung von Sozialaktivisten, Politikern und Journalisten und identifizierte allgemeine Wege und Herausforderungen für die Erstellung einer gemeinsamen Forschungsagenda zu Gewalt gegen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Demokratien. Die wichtigsten Beiträge und Ergebnisse des Workshops wurden zusammengestellt und in einem gemeinsamen Forum-Manuskript bei einer internationalen Fachzeitschrift eingereicht. Darüber hinaus ermöglichte der Workshop die Konsolidierung und Einreichung eines gemeinsamen Forschungsantrags der beiden Organisatoren, der – im Falle einer Bewilligung – ein gemeinsames deutsch-amerikanisches Forschungsprojekt ermöglichen wird.

Der internationale Workshop "Gewalt gegen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in zeitgenössischen Demokratien" fand am 1. März 2025 an der University of Illinois Chicago (UIC) statt, unmittelbar vor Beginn der Jahreskonferenz 2025 der International Studies Association (ISA) in derselben Stadt, um die physische Anwesenheit der Teilnehmer zu erleichtern. Der Workshop wurde von den Antragstellern Juan Albarracín (UIC) und Jonas Wolff (PRIF) organisiert, mit logistischer Unterstützung von Rodrigo Moura Karolczak (UIC). Der Workshop bestand aus acht kurzen Präsentationen auf der Grundlage von zuvor verteilten und gelesenen Beiträgen, gefolgt von einem vorbereiteten Kommentar und einer gemeinsamen Diskussion sowie einer abschließenden Diskussion und Pausen, darunter Mittag- und Abendessen, zum Zwecke der Vernetzung.

Zum Auftakt präsentierten die Organisatoren Juan Albarracín und Jonas Wolff einen Beitrag, der die Grundlage für eine integrierte Forschungsagenda zum Thema "Mord an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens" schaffen sollte. Die folgenden Präsentationen analysierten die Auswirkungen politischer Morde auf die politische Partizipation in Kolumbien (Ana Arjona, Northwestern University, online), die Rechtfertigung von Gewalt, wobei subversive Stigmatisierung und die Einstellung der Bürger gegenüber tödlicher Gewalt in Kolumbien analysiert wurden (Isabel Güiza-Gómez und Abby Cordova, University of Notre Dame), sowie politische Gewalt gegen subnationale gewählte Amtsträger in den USA (Alexandra Filindra, UIC).

Weitere Vorträge befassten sich mit Morden an Journalisten in Demokratien (Bonky Lim und Amanda Murdie, University of Georgia), tödlicher Gewalt gegen katholische Priester in Mexiko (Laura López-Pérez und Guillermo Trejo, University of Notre Dame, sowie Natán Skigin, Harvard University), Gewalt gegen Politiker in Brasilien (Huri Paz, CEBRAP, São Paulo) und dem Zusammenhang zwischen Gewalt gegen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und krimineller Gewalt in Mittelamerika (Laura Blume, University of Nevada). Zu den Diskussionsteilnehmern gehörten Elif Baba, Laura Barrios Sabogal, Nacho Borba, Andreas Feldmann, Ángela Hernández und Matthew Krain.

Der Workshop befasste sich mit den verschiedenen Arten von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die mit gezielter Gewalt konfrontiert sind, darunter Politiker, Journalisten und Sozialaktivisten sowie Gruppen, die bislang kaum als Ziele von Gewalt untersucht wurden (wie religiöse Führer oder Richter). Er brachte auch Studien über Demokratien im Globalen Süden (wie Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Honduras und Nicaragua) mit Forschungen über den Globalen Norden (wie die USA) sowie globale Vergleichsstudien zusammen. Der Workshop gelang es auch, einen fruchtbaren wissenschaftlichen Dialog über Länderfälle und subdisziplinäre Grenzen hinweg anzuregen, zum Beispiel zwischen Internationalen Beziehungen und Vergleichender Politikwissenschaft, Menschenrechtsforschung und Strafrechtswissenschaft sowie qualitativen regionalwissenschaftlichen Perspektiven und länderübergreifender Large-N-Forschung. Durch die Anregung reichhaltiger Diskussionen, die Gewinnung übergreifender Erkenntnisse und die Aufwerfung wichtiger allgemeiner Fragen für die zukünftige Forschung leistete der Workshop einen wichtigen Beitrag zur Integration eines noch recht fragmentierten Forschungsfeldes.

Das erste erklärte Ziel des Projekts war es, die Vorbereitung einer gemeinsamen Veröffentlichung zu erleichtern. Konkret beschlossen die Antragsteller, einen gemeinsamen Beitrag für ein internationales Peer-Review-Journal vorzubereiten. Im Anschluss an den Workshop im März organisierten die Antragsteller im Juni 2025 einen Autoren-Workshop (online), um die überarbeiteten Beiträge zu diskutieren. Darüber hinaus ermöglichte die Förderung durch die SDAW einen zusätzlichen Forschungsaufenthalt von Juan Albarracín in Frankfurt im September 2025, während dessen die Antragsteller das Manuskript fertigstellten. Im Oktober 2025 wurde das Manuskript eingereicht.  
Mit Blick auf das zweite versprochene Ergebnis des Projekts ermöglichte der Workshop in Chicago auch die Konsolidierung und Einreichung eines gemeinsamen Forschungsantrags durch die beiden Organisatoren. Im Falle eines Erfolgs wird dies ein nachhaltiges, gemeinschaftliches deutsch-amerikanisches Forschungsprojekt zu diesem Thema ermöglichen.

 

DIE TRANSATLANTISCHE LASTENTEILUNG 
UND DIE ZUKUNFT DER ALLIANZ

Prof. Dr. Hubert Zimmermann (Institut für Politikwissenschaft, Philipps-Universität Marburg)
Prof. Brian Blankenship (Department of Political Science, University of Miami)

Förderzeitraum: 2024

Das Projekt untersuchte aktuelle und zukünftige Trends in der Frage der Lastenteilung, einem seit jeher konfliktreichen Thema in der transatlantischen Allianz, das in den letzten 70 Jahren häufig eskalierte. Insbesondere seit Donald Trump Präsident wurde, wurde die Lastenteilung erneut zu einem der gravierendsten Probleme in den Beziehungen zwischen den USA und Europa, wie die intensiven Debatten im Vorfeld des NATO-Gipfels in Den Haag 2025 zeigten, die dazu führten, dass fast alle NATO-Mitglieder, fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Wie zuvor blieb jedoch umstritten, was eine faire Lastenteilung ausmacht und ob es noch eine gemeinsame Vorstellung von der "Last" gibt. Um diese Fragen zu analysieren, brachte das Projekt acht führende und jüngere Wissenschaftler von beiden Seiten des Atlantiks zusammen, darunter einen Analysten eines führenden deutschen Thinktanks.

Am 12./13. Juni 2024 fand an der Universität Marburg ein Workshop statt, bei dem die Teilnehmer Entwürfe für Beiträge vorstellten und diskutierten. Diese befassten sich mit Themen wie:

  • der Zukunft der militärischen Hilfe für die Ukraine und der Lastenteilung beim Wiederaufbau nach dem Krieg
  • der Frage einer gerechten Lastenteilung in der NATO
  • der Lastenteilung bei der Eindämmung Chinas
  • die innenpolitische Dynamik der Debatten über die Lastenteilung in Europa und den Vereinigten Staaten.

Im Vorfeld des Workshops hatten die Organisatoren bereits Kontakt zum Herausgeber der Fachzeitschrift Journal of Transatlantic Studies aufgenommen, um die Möglichkeit einer Veröffentlichung zu erörtern.

Insgesamt bot der Workshop eine hervorragende Gelegenheit, Wissenschaftler aus dem Bereich der Lastenverteilung zusammenzubringen, die sich oft nur aus ihren Veröffentlichungen kannten. Es wurde beschlossen, ein Folgetreffen zu planen, möglicherweise in den USA, und das Netzwerk um asiatische und andere europäische Wissenschaftler aus dem Bereich der Lastenverteilung zu erweitern.

 

TRANSNATIONAL PERSPECTIVES ON UKRAINIAN REFUGEES 
IN GERMANY AND THE UNITED STATES AFTER THE WAR: 
IMPLICATIONS FOR GLOBAL REFUGEE POLICY

Dr. Grit Grigoleit-Richter (Universität Passau) 
Prof. Dr. Claudia Sadowski-Smith (Arizona State University)

Förderzeitraum: 2023

Der interdisziplinäre Workshop zur ukrainischen Flüchtlingsmigration nach der vollständigen Invasion Russlands im Jahr 2022 bot eine transatlantische Perspektive  basierend auf den Erfahrungen ukrainischer Flüchtlinge in den USA und Deutschland. Er befasste sich mit Fragen der sozialen Integration in beiden Ländern, der wahrgenommenen privilegierten Behandlung ukrainischer Flüchtlinge im Vergleich zu anderen Flüchtlingen in Deutschland und den USA sowie mit Fragen einer möglichen Rückwanderung, oder des Zugangs zum Arbeitsmarkt. Grit Grigoleit-Richter (Universität Passau) und Claudia Sadowski-Smith (Arizona State University) organisierten gemeinsam die zweitägige Hybridveranstaltung am 28. und 29. Juni 2024 am Lehrstuhl für Amerikanistik der Universität Passau.

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 wurden in Europa mehr als 6 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine registriert. Deutschland, Polen und die Tschechische Republik waren die wichtigsten EU-Länder, die Ukrainer im Rahmen von befristeten Schutzprogrammen aufgenommen haben. Darüber hinaus kamen etwa 500.000 Ukrainer mit unterschiedlichem Rechtsstatus in die USA.
Mit finanzieller Unterstützung der SDAW organisierten Grit Grigoleit-Richter (Universität Passau) und Claudia Sadowski-Smith (Arizona State University) am 28. und 29. Juni 2024 an der Universität Passau einen interdisziplinären Workshop zum Thema "Kriegsbedingte Migration aus der Ukraine nach Deutschland und in die Vereinigten Staaten". In einem hybriden Rahmen bot er einen transatlantischen Dialog über die unterschiedlichen sozialen, politischen und rechtlichen Kontexte, in denen Ukrainer aufgenommen werden und sich integrieren. Deutschland hat für ukrainische Flüchtlinge einen EU-weiten Rahmen, die Richtlinie über vorübergehenden Schutz, umgesetzt, der den sofortigen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, Unterstützung durch Arbeitsagenturen und eine Arbeitserlaubnis für einen Zeitraum von zunächst drei Jahren ermöglicht.

In ähnlicher Weise haben die USA vorübergehende staatliche Umsiedlungsprogramme ins Leben gerufen, darunter Sponsoring-Programme, die es Ukrainern ermöglichen, legal in das Land einzureisen und eine Arbeitserlaubnis zu beantragen. Obwohl Ukrainer in beiden Ländern legal einreisen und sich dort aufhalten können, fehlt ihnen ein Weg zu einem dauerhaften Rechtsstatus, was ihre vollständige Integration behindert und Fragen hinsichtlich ihrer langfristigen Perspektiven aufwirft. In verschiedenen Beiträgen wurden diese Probleme im Zusammenhang mit der Integration in den Arbeitsmarkt, der Rückwanderung oder den Mutterschaftspraktiken behandelt.

Der Workshop umfasste drei Keynotes, die einen größeren kontextuellen Rahmen für die ukrainische Migration boten. Der erste Vortrag, gehalten vom Historiker Jannis Panagiotidis (Universität Wien, Österreich), stellte die aktuelle ukrainische Migration in einen längeren historischen Kontext der postsowjetischen Migration innerhalb Deutschlands. Panagiotidis reflektierte über die Vorstellung, dass ukrainische Flüchtlinge aufgrund ihrer kulturellen Nähe im Vergleich zu anderen Flüchtlingsgruppen bevorzugt behandelt würden. In einem größeren historischen Kontext betrachtet war die Aufnahme der Ukrainer jedoch neuartig und unerwartet, da osteuropäische Migranten im Allgemeinen oft ausgegrenzt und nicht willkommen geheißen wurden.

Der zweite Hauptvortrag von Miriam Finkelstein vom Fachbereich Slawistik der Universität Konstanz befasste sich mit der Darstellung von Ukrainern in der amerikanischen und deutschen Literatur. Lange Zeit vernachlässigt, brachte eine grundlegende Veränderung im Jahr 2014 insbesondere die Erfahrungen ukrainischer Migrantinnen ans Licht und gab ihnen eine Stimme. Der letzte Vortrag von Halyna Lemekh vom Fachbereich Soziologie und Strafrecht am St. Francis College, New York, USA, befasste sich mit der Rolle der ukrainischen Diaspora in den USA. In New York hat sich im Laufe der Zeit eine große ethnische Enklave entwickelt, die neu angekommenen Ukrainern hilft.

Mehrere Referenten aus den Bereichen Bildung, Kulturwissenschaften, Rechtswissenschaften, Soziologie und Politikwissenschaften, die thematisch in drei Podiumsdiskussionen zusammengefasst waren, gaben Einblicke in ihre Forschungsarbeiten. Zu den behandelten Themen gehörten die internationale Mobilität von Studierenden (Ezenwa Olumba), die Verweigerung der Einreise nach Polen für nigerianische Studierende in der Ukraine im Februar 2022, die Rückkehrabsichten ukrainischer Mütter (Jonna Rock), die Perspektiven vertriebener ukrainischer Mütter in ost- und westdeutschen Bundesländern (Elen Fübbeker), Integrationspraktiken von Kommunalverwaltungen in mehreren deutschen Städten (Nora Ratzmann und Denis Zeković) die Rückkehrabsichten ukrainischer Flüchtlinge (Neonila Glukhodid); die Verwendung der ukrainisch-russischen Zweisprachigkeit unter ukrainischen Flüchtlingen in Deutschland (Vladislava Warditz); die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Recht auf Arbeit für ukrainische Flüchtlinge in den USA und Deutschland (Janine Prantl) sowie die entstehende ukrainische Gemeinschaft in Phoenix, Arizona, und ihre Erfahrungen mit sozialem Abstieg und ersten Integrationsprozessen.

Die sich entwickelnden Diskussionen ermöglichten nicht nur einen umfassenderen transatlantischen Vergleich, sondern lieferten auch ein relevantes Beispiel für die Schaffung und den potenziellen Erfolg von Flüchtlingspolitiken auf globaler Ebene.

 

WIE MAN FACHKRÄFTE FÜR DEN LÄNDLICHEN RAUM GEWINNT 
– ORTSGEBUNDENE VISA 

Dr. Christiane Heimann (Research Institute for Vocational Education and Training, Nürnberg)
Dr. Aude-Claire Fourot (Simon Fraser University, Canada)

Förderzeitraum: 2023

Der Aufbau eines transatlantischen Wissenstransfers zu ortsbezogenen Visa und deren Auswirkungen auf die ländliche Entwicklung wird Lücken in der akademischen Forschung schließen und politische Empfehlungen für Europa und Nordamerika liefern. Ein Workshop wird zur Veröffentlichung einer Sonderausgabe in einer begutachteten internationalen Fachzeitschrift, eines Policy Briefs mit und zur Einleitung einer umfassenderen Forschungszusammenarbeit zu Arbeitsmigrationspolitiken für schrumpfende ländliche Gemeinden durch die Ausarbeitung eines Forschungsantrags führen.

 

HÖFLINGE, BERATER ODER BEFEHLSHABER: 
GESELLSCHAFTLICHE AKTEURE UND DIE AUSSENPOLITIK AUTORITÄRER STAATEN

Dr. Sabine Mokry (Columbia University, New York)
Assoc. Prof. Sean Yom (Temple University, Philadelphia)
Dr. Alexander Graef (Universität Hamburg)

Förderzeitraum: 2023

Anfang Mai 2024 werden Sabine Mokry, Postdoctoral Fellow an der Columbia Universität, Sean Yom, Associate Professor an der Temple Universität in Philadelphia und Alexander Graef, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg einen Workshop zur Rolle gesellschaftlicher Akteure in der Außenpolitik autoritärer Staaten durchführen. Die Ergebnisse des Workshops sollen als "special issue" in einer politikwissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht werden. Außerdem werden Handlungsempfehlungen zum Umgang mit autoritären Staaten entwickelt werden.

Der Workshop wird sich mit der komplizierten Dynamik zwischen autokratischen Staaten und gesellschaftlichen Akteuren befassen und damit, wie letztere die Außenbeziehungen der ersteren prägen. Indem wir uns mit der Literatur zum vergleichenden Autoritarismus, zur Analyse der Außenpolitik und zu verschiedenen regionalen Traditionen auseinandersetzen, weisen wir die immer noch gängige Annahme zurück, dass autokratische Herrscher ihre Außenpolitik ohne Rücksicht auf innenpolitische Strukturen, Zwänge und Interessen gestalten. Wir beabsichtigen, unser theoretisches Verständnis darüber zu vertiefen, wie innenpolitische Kräfte die Außenpolitik autoritärer Herrscher prägen - insbesondere bei unterschiedlichen Regimetypen und regionalen Gegebenheiten. Wir möchten daher erforschen, wie gesellschaftliche Akteure (einschließlich der allgemeinen Öffentlichkeit, Nichtregierungsorganisationen, Medienorganisationen, Experten, Lobbyisten und anderer Interessengruppen) durch die Konfiguration innenpolitischer Strukturen Einfluss darauf nehmen können, wie autoritäre Regime ihre Außenbeziehungen, die Wahl ihrer Bündnisse, die Austragung von Konflikten, die Einbindung in regionale Ordnungen und andere außenpolitische Fragen gestalten. Teilnehmer*innen des Workshops sind Expert*innen der Außenpolitik von Russland, China, Iran, Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten, Venezuela und afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Zwei Discussants werden uns helfen, vergleichende Erkenntnisse zu gewinnen. Wir beabsichtigen die Beiträge nach Abschluss des Workshops als Sonderausgabe bei einer außenpolitischen Zeitschrift wie Foreign Policy Analysis, The British Journal of International Relations and Politics oder International Politics einzureichen.

 

HERAUSFORDERUNGEN DER TECHNIK. 
TRANSATLANTISCHER WORKSHOP ZUR GESCHICHTE 
DER MENSCH-MASCHINE-BEZIEHUNG IM 20. JAHRHUNDERT

Prof. Dr. Kevin Liggieri (Institut für Geschichte, TU Darmstadt)
Jonas Knatz (New York University, School of Arts and Sciences)

Förderzeitraum: 2023

Der Workshop zur "Herausforderungen der Maschine" fand vom 24. bis zum 25. Mai 2024 an der TU Darmstadt statt. Er versammelte 12 Professorinnen, Professoren, Nachwuchswissenschaftler und Nachwuchswissenschaftlerinnen von der New York University und der Technischen Universität Darmstadt, um in Form eines transatlantischen und interdisziplinärem Forums die  Ideen-, Wissenschafts- und Technikgeschichte von Mensch-Maschine-Beziehungen im 20. und 21. Jahrhundert zu diskutieren. Dabei konzentrierte sich der Workshop besonders auf den Austausch von Perspektiven aus dem deutschsprachigen und dem nordamerikanischen Forschungsraum, um die national spezifischen historische Entwicklung Künstlicher Intelligenz, der Automatisierung in Fabrik und Büro, der Ingenieurpsychologie (Human Factors Engineering) und der Mensch-Computer-Interaktion innovativ aufzuarbeiten.

Der Erkenntniswert des Workshops ergab sich aus der Zusammenführung zweier wissenschaftlicher Forschungsrichtungen, die sich zielführend ergänzen: der deutschen Wissenschafts- und Technikgeschichte mit ihrem Fokus auf die Technikanthropologie, die von Martina Heßler und Kevin Liggieri repräsentiert wurde, und der New Yorker Ideen- und Wissenschaftsgeschichte, die in Person von Leif Weatherby anwesend war und die die Verwobenheit von diskursiven und technischen Entwicklungen betont. Inhaltich fokussierte sich der Workshop auf die Herausforderungen einer historischen Aufarbeitung der technischen (Post-)Moderne. In Form einer konkreten, detaillierten Arbeit an vorher herumgeschickten Manuskripten wurden inhaltliche und methodische Fragen nach dem historischen Zusammenspiel von technologischer Entwicklung und transatlantischen Debatten thematisiert. Die Themen reichten hier von der Vorgeschichte der computervermittelten Kommunikation in der Industrieforschung des frühen 20. Jahrhunderts über den Aufstieg und Fall der digitalen "Expertensysteme" zur Emotionsgeschichte der Echtzeit-Systeme bei SAP. Jede Teilnehmerin und jede Teilnehmer erhielt eine Stunde für die Diskussion des eingereichten Entwurfs. Da die mündliche Präsentation der eingereichten Thesen dabei höchstens 10 Minuten dauerte, erhielten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußert konkretes und hilfreiches Feedback. Durch das detaillierte Feedback und die zielführenden Kommentare konnten Problemlagen eingängiger untersucht und gleichzeitig für eine spätere Publikation vorbereitet werden. Diese Form des Workshops erlaubte aber auch bisher unterbeleuchtete Verbindungen in den vorgestellten Projekten aufzudecken und auszuloten.

Inhaltlich und methodologisch konnte der Workshop damit an sozialhistorische, wissenschafts- und technikhistorische, anthropologische sowie begriffsgeschichtliche Forschung anknüpfen und griff wichtige Impulse aus der neueren Rassismus- und Genderforschung sowie der Industriesoziologie auf. Indem der Workshop neun Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher sowie drei Professorinnen und Professoren ins Gespräch brachte, bildete er den Auftakt für eine Kooperation in der Nachwuchsförderung zwischen der New York University und der Technischen Universität Darmstadt, in deren Rahmen momentan ein zweites Symposium zur Ideengeschichte der Technik in New York im Herbst 2025 geplant wird. Der erste Workshop förderte in diesem Sinne auf der einen Seite die horizontale Vernetzung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zwischen verschiedenen Ländern, und auf der anderen Seite den vertikalen Austausch etablierter Forscherinnen und Forscher mit Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforschern. Professorinnen, Professoren, Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforschern aus New York und Darmstadt bot das akademische Zusammenkommen die Möglichkeit, Differenzen und Gemeinsamkeiten in der deutschen und nordamerikanischen Debatte zu identifizieren, die transatlantische Geschichtsschreibung der Technik- und Wissenschaftsgeschichte voranzutreiben und weitere Kooperationen vorzubereiten. Die Ergebnisse des Austausches sollen daher Ende 2025 gesammelt und in Form eines Schwerpunkts in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht werden. Anvisierte Publikationen hierfür sind die führenden Zeitschriften in der Ideen- und/oder Technikgeschichte wie das Journal of the History of Ideas, Modern Intellectual History, History and Technology oder Technikgeschichte, zu denen zahlreiche institutionelle und fachliche Kontakte bestehen.

 

GERMAN PUBLIC OPINION ON FOREIGN AFFAIRS
IN A TIME OF TRANSATLANTIC STRESS

Prof. Dr. Tim Büthe (Hochschule für Politik, Technische Universität München)
Prof. Joseph Grieco, PhD (Department of Political Science, Duke University)

Förderzeitraum: 2019

Das Projekt untersucht, wie sich das Infragestellen amerikanischer Sicherheitsgarantien durch Präsident Trump auf die außenpolitischen Präferenzen Deutschlands, die Verteidigungsausgaben und die transatlantischen Beziehungen auswirkt. Angestrebt wird eine Anschubfinanzierung für eine Pilotstudie und einen Workshop, um die ersten Ergebnisse zu diskutieren und einen Finanzierungsantrag für ein größeres Projekt vorzubereiten.

 

UNPACKING TRANSATLANTIC RELATIONS:
THE US AND GERMANY IN WORLD POLITICS

PD Dr. Ulrich Franke (Universität Bremen)
Dr. Matthias Hofferberth (University of Texas at San Antonio)

Förderzeitraum: 2019

Das Projekt erweitert die Forschungsagenda zu den transatlantischen Beziehungen über ihren traditionell durch staatliche Politik und bilaterale Interaktionen definierten Kern hinaus. Es beabsichtigt, die transatlantischen Beziehungen angesichts ihrer Bedeutung für die globale Ordnung konzeptionell und empirisch aufzuschlüsseln, indem sie ihre Vielschichtigkeit betrachtet. Dabei zielt das Projekt darauf ab, eine größere Forschungsgemeinschaft zu schaffen, die sich in zwei verschiedenen Workshops zusammenfindet und eine langfristige Finanzierung durch Dritte sichert.

 

SLURS, NAME-CALLING, AND EXCLUSIONARY SPEECH:
SHIFTING NORMATIVE BOUNDARIES THROUGH SPEECH ACTS

Prof. Dr. Axel Gelfert (Institut für Philosophie, TU Berlin)
Prof. Rebecca Kukla, PhD (Kennedy Institute of Ethics, Georgetown University)

Förderzeitraum: 2019

Das Projekt untersucht, wie "ausschließende Rede" – die Beleidigungen, Beschimpfungen und verbale Verbote gegen ganze soziale Gruppen in verschiedenen Kontexten umfasst – soziale Normen und den öffentlichen Diskurs verändert. Es befasst sich mit dieser Frage aus einer multidisziplinären Perspektive und bringt linguistische, soziale Erkenntnistheoretiker und Philosophen zu einem kollaborativen, forschungsbasierten Workshop zusammen, dem sich ein politikorientiertes, öffentliches Forum anschließt.

 

LIAISONS. MOBILIZING THE ARCHIVE IN/FOR A DE/COLONIZED PRESENT

Miriam Schulz, M.Phil. (Department of Germanic Languages, Columbia University)
Yayra Sumah, P.Phil. (Department of Middle Eastern,
Southern Asian, and African Studies, Columbia University)
Margareta von Oswald, M.A. (Centre for Anthropological Research on Museums
and Heritage Institute for European Ethnology, Humboldt University Berlin)

Förderzeitraum: 2019

Das interdisziplinäre, transatlantische Projekt knüpft an die Idee der Mobilisierung des Archivs für eine (de-)kolonialisierte Gegenwart im Hinblick auf den Wissenschaftler als treibende Kraft in zeitgenössischen akademischen und musealen Bestrebungen an, die Vergangenheit zu kuratieren – imperiale, postkoloniale und postsozialistische Kontexte in Deutschland und den Vereinigten Staaten.

 

WHO ARE THE CITIZENS, WHO EXPOSE ANTI-ISLAMIC SENTIMENTS:
A COMPARATIVE STUDY OF GERMANY AND THE USA

Prof. Daniel Stockemer, PhD (University Ottawa)
Prof. Arne Niemann, PhD (Universität Mainz)

Förderzeitraum: 2019

Dieses Projekt vergleicht die anti-islamistische Stimmung in Deutschland und den USA. Um zu entschlüsseln, ob die Treiber des Anti-Islamismus auf beiden Seiten des Atlantiks dieselben sind, plant sie die Durchführung einer Umfrage, die ergründet, warum Bürger islamkritische Einstellungen annehmen.

 

THE BURIED ORDERS OF ILLIBERALISM

Prof. Dr. Michael Weinman (Bard College Berlin)
Prof. Isaac Reed, PhD (University of Virginia)

Förderzeitraum: 2019

Das Projekt bringt Wissenschaftler aus den Bereichen Politikwissenschaft, vergleichende historische (und kulturelle) Soziologie, Nordamerikastudien und Politische Theorie zusammen, um eine theoretische Neubeschreibung der "gegenwärtigen Krise der Demokratie" anzubieten, die sich auf die jüngsten Erfahrungen in den Vereinigten Staaten und in der Bundesrepublik Deutschland konzentriert.

 

CRISIS, THE POLITICS OF RESILIENCE AND
THE FUTURE OF TRANSATLANTIC RELATIONS

Prof. Dr. Sebastian Harnisch (Universität Heidelberg)
Prof. Cameron Thies, Ph.D. (Arizona State University)
Gordon Friedrichs, M.A. (Universität Heidelberg)

Förderzeitraum: 2017

Auf Grundlage einer Konferenz, die ursprünglich 2016 stattfinden sollte und zu der sowohl Theoretikerinnen und Theoretiker als auch Praktikerinnen und Praktiker eingeladen waren, sollte die Anpassungsfähigkeit und Transformationsfähigkeit transatlantischer politischer Institutionen untersucht werden. Ausgangspunkt war es, mithilfe eines pluralistischen Verständnisses von Krisen die Varianz der Anpassungsfähigkeit und Resilienzmechanismen zu erklären, die in der Forschung häufig übersehen werden. Der grundlegende Gedanke war es, eine theoriebasierte Beurteilung transatlantischen Krisenmanagements aus multidisziplinärer Perspektive über verschiedene Policy-Bereiche vorzunehmen.

Diese Zielsetzung wurde im Lichte der politischen Entwicklungen im Jahr 2016 (Brexit; Präsidentschaftswahlen in den USA) erneut angepasst. Zwei Aspekte standen nun im Mittelpunkt: Zum einen wurde der Fokus auf Resilienz gegenüber Krisen beibehalten, von der angenommen wird, dass sie entlang drei verschiedener sozialer Mechanismen variieren kann (Institutionen/Werte/Arbeitsteilung). Zum anderen sollte auch untersucht werden, ob und wenn ja wie diese Mechanismen aufkommende Policy-Konflikte zwischen der neuen Trump-Regierung und den EU-Mitgliedsstaaten abfedern können. Im Lichte der neuen Entwicklungen wurde also die analytische Dimension der Krise angepasst und die empirische Grundlage erweitert.

Die Ergebnisse dieser von der Stiftung für deutsch-amerikanische Wissenschaftsbeziehungen finanzierten Konferenz wurden im Rahmen eines Sammelbands mit dem Titel "The Politics of Resilience and Transatlantic Order: Enduring Crisis?" (Routledge, 2019) veröffentlicht.

 

WELTWEITE VERSCHIEBUNG DER INNOVATIONSDYNAMIK?
CHINAS POSITION IN GLOBALEN INNOVATIONSNETZWERKEN

Prof. Dr. Ingo Liefner (Leibniz Universität Hannover)
Prof. Dr. Yifei Sun; Prof. Dr. Peilei Fan (Michigan State University)
PD Dr. Stefan Hennemann (Justus-Liebig-Universität Gießen)
Prof. Dr. Yuefang Si (China Normal University)
Kerstin Schäfer (Leibniz Universität Hannover)

Förderzeitraum: 2014-2016

Die Förderung durch die Stiftung Deutsch-Amerikanische Wissenschaftsbeziehungen wurde vor allem für die Finanzierung zweier Workshops verwendet, aus denen verschiedene Publikationen hervorgegangen sind. Im ersten Workshop, der 2014 stattfand, ging es vor allen Dingen um die Vorbereitung einer gemeinsamen Datenbasis für das Forschungsprojekt und die weitere Planung für den restlichen Förderzeitraum. 2015 wurden die im ersten Workshop beschlossenen Arbeitsschritte umgesetzt. Dazu gehörten beispielsweise die Zusammenstellung einer Datengrundlage, die Festlegung inhaltlicher Zielsetzung sowie die Erarbeitung eines inhaltlichen Bearbeitungskonzepts für drei wesentliche Fragestellungen:

  1. Die dynamische und vergleichende Analyse von globalen Innovationsnetzwerken von etablierten Großunternehmen
  2. Die Analyse der Form und Wirkung kollaborativer Innovationen von multinationalen Unternehmen aus Schwellenländern (China) in hochentwickelten Innovationssystemen
  3. Die Analyse der Netzwerkstrukturen in globalen Innovationsnetzwerken

Der zweite Workshop der Studiengruppe fand 2016 statt. Dieser diente vor allem der abschließenden Diskussion von Förderanträgen und Publikationen aus den Diskussionen der Studiengruppe.

Aus den Arbeiten der Studiengruppe sind folgende Publikationen hervorgegangen:

  • Liefner, Ingo, Yue-fang Si, und Kerstin Schäfer. 2019. A Latecomer Firm’s R&D Collaboration with Advanced Country Universities and Research Institutes: The Case of Huawei in Germany. Technovation 86: 3-14.
  • Schaefer, Kerstin J., und Ingo Liefner. 2017. Offshore Versus Domestic: Can EM MNCs Reach Higher R&D Quality Abroad? Scientometrics 113: 1349-1370.

Publikationen als Working Papers / in Vorbereitung:

  • Si, Y.F. und Ingo Liefner. Intrafirm Knowledge Management Across Space – Samantabhadra Model Based On the Case Study of Huawei.
  • Liefner, Ingo, und S. Hennemann. Dynamics of Places and Technologies in Multinational Companies’ Global Innovation Networks.

 

THE LEGITIMACY OF MILITARY INTERVENTION
IN THE CONTEXT OF U.S.-JAPAN RELATIONS

Förderzeitraum: 2015

Der von der Stiftung Deutsch-Amerikanische Wissenschaftsbeziehungen geförderte Workshop, der 2015 in Tokio stattfand, beschäftigte sich insbesondere mit drei Themenbereichen. Im Rahmen des ersten Panels ging es um kollektive Verteidigung und die Allianz zwischen den Vereinigten Staaten und Japan, wobei es hier vor allem um den aktuellen Status dieser Allianz im Hinblick auf militärische und humanitäre Interventionen ging. Auch im zweiten Panel ging es um militärische/humanitäre Interventionen, wobei hier vor allem auch die kollektive Sicherheit im Mittelpunkt stand. Insbesondere ging es darum, zu fragen, wie Japans Politik militärischer und humanitärer Intervention aussieht, inwiefern Tokyo Interventionen in der Vergangenheit unterstützt hat und welche Gründe für (Nicht-)Beteiligung an Intervention genannt werden. Im dritten und letzten Panel stand insbesondere die (Innen-)Politik militärischer und humanitärer Interventionen im Vordergrund, vor allem das "two-level-game" zwischen Innen- und Außenpolitik sowie die Frage, welche Parameter verschiedene Akteure für oder gegen bestimmte Interventionen ins Feld führen.

 

GLOBALISIERUNG IM RÜSTUNGSSEKTOR
AUS TRANSATLANTISCHER PERSPEKTIVE

Moritz Weiss, Ph.D. (LMU München, Deutschland)
Jennifer L. Erickson, Ph.D. (Boston College, USA)
Marc de Vore, Ph.D. (University of St. Andrews, UK)

Förderzeitraum: 2015

Ausgangspunkt für dieses Projekt war die Beobachtung, dass der Rüstungssektor sich deutlich von anderen wirtschaftlichen Sektoren unterscheidet. Hervorzuheben ist hier insbesondere die Rolle des Staates, der beispielsweise Forschung und Entwicklung innerhalb des Sektors unterstützt und selbst der primäre Kunde ist. Trotz dieser Tatsache ist dabei zunehmend unklar, welchen Platz die Rüstungsindustrie zwischen Staat und Markt einnimmt, da dieser zunehmend durch Globalisierungstendenzen herausgefordert wird. So erschwert beispielsweise die zunehmende Internationalisierung der Lieferketten die Fähigkeit des Staates den eigenen Rüstungsbedarf ausschließlich durch inländische Produktion zu decken. Zusätzlich wird die staatliche Kontrolle von Waffenproduktion und -transfers durch das Aufkommen multinationaler Rüstungsunternehmen zum Problem.

Die Forschungsgruppe fragte zum einen danach, wie man die Gemeinsamkeiten und Unterschiede staatlicher Reaktionen auf diese neuen Herausforderungen erklären kann, und zum anderen, ob diese neuen, sich verändernden Dynamiken zu mehr Wettbewerb oder zu mehr Kooperation auf staatlicher und unternehmerischer Ebene führen. Im Rahmen der Forschungsarbeit wurde eine weitere Herausforderung durch Globalisierungsprozesse deutlich: europäische Integration und die unvorhergesehenen Konsequenzen supranationaler Selbstermächtigung. Die nachfolgenden Publikationen gehen aus diesen Überlegungen hervor:

  • Blauberger, Michael und Moritz Weiss. 2013. "If you can’t beat me, join me." How the Commission pushed and pulled Member states into legislating defence procurement. Journal of European Public Policy 20 (8): 1120-1138.
  • DeVore, Marc R. 2014. Defying Convergence: Globalisation and Varieties of Defence-Industrial Capitalism. New Political Economy 20 (4): 569-593.
  • DeVore, Marc R., und Moritz Weiss. Who’s in the Cockpit? The Political Economy of Collaborative Aircraft Decisions. Review of International Political Economy 21 (2): 497-533.
  • Erickson, Jennifer L. 2015. Dangerous Trade: Arms Export, Human Rights, and International Reputation. New York: Columbia University Press.
  • Weiss, Moritz, und Michael Blauberger. 2016. Judicialized Law-Making and Opportunistic Enforcement: Explaining the EU’s Challenge of National Defence Offsets. Journal of Common Market Studies 54 (2): 1-19.

 

CC-VISAGES PROJECT (2013-2018)

Dr. Gotz Kaufmann (project leader, supervision of Brazilian,
Canadian, and German region, Q Oracle field researches,
political and environmental sociologist)
Dr. Jason Samson (Brazilian data, Canadian data, GIS, climatologist)
Johanna Seidel (Brazilian, Canadian, and German data,
development of the indices CSI, HIS, CEJI, physical geographer)
Bastian Stossel (consulting in development of the indices
CSI, HIS, CEJI, physical geographer)
Mari Justine Galloway (field researcher in Canada (Nainamo)
based on the found CSI, HIS, and CEJI results, political scientist)

Förderzeitraum: 2013-2015

Die Einflüsse des Klimawandels auf die menschliche Bevölkerung auf globaler Ebene sind sowohl divers als auch komplex. Auf regionaler Ebene ist die Wahrnehmung des Klimawandels stark von den vorhandenen sozialen Realitäten geprägt. Um ein Model für Politiken zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln, ist es essenziell, die relative Wichtigkeit des Einflusses sozialer Bedingungen (zum Beispiel das politische System, kulturelle Besonderheiten, nationale Geschichte etc.) und lokaler sozialer Not (Einkommen, Infrastruktur, öffentliche Dienste etc.) auf die Wahrnehmung des Klimawandels auf kommunaler Ebene zu verstehen.

Das Ziel des CC-VISAGES Projekts (Climate Change Inferred through Social Analysis; Geography and Environmental Systems) war es, die Möglichkeit eines allgemeinen Musters von Umweltgerechtigkeit zu untersuchen, die aus den Auswirkungen des Klimawandels auf Gemeinschaften hervorgeht. Bei einem solchen Muster kann die Verteilung der Belastungen durch Umwelteinflüsse und der Zugang zu Gütern im Kontext des Klimawandels über verschiedene Länder hinweg auf Grundlage verschiedener Variablen sozialer Marginalisierung generalisiert werden.

Dieses Projekt wollte die Präsenz dieser Muster durch Feldforschung in Brasilien, Kanada und Deutschland untersuchen. Zunächst sollte eine geographische Repräsentation der Verletzlichkeit verschiedener Länder durch Klimawandel auf Grundlage ökologischer, sozialer und klimatischer Variablen durch ein geographisches Informationssystem (GIS) erzeugt werden. Anschließend sollten verschiedene Gebiete in den genannten Ländern ausgewählt werden, die von hoher Verletzlichkeit durch Klimawandel geprägt sind, um Feldforschung mit dem Ziel zu betreiben, die lokalen Perspektiven des Einflusses durch Klimawandel besser zu verstehen. Auf Grundlage dieser Analyse der Wahrnehmung zentraler Akteure sollte dann ein globales Muster von Umweltgerechtigkeit herausgearbeitet werden. Die Ergebnisse sollten als Grundlage für verschiedene Akteure (Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen, Zivilgesellschaft) dienen, angemessene Anpassungsentscheidungen zu treffen, die durch ökologische und soziale Realitäten informiert sind. Das Projekt stellte eine dringende und notwendige multidisziplinäre Perspektive im Umgang mit den vielseitigen Problemen des Klimawandels dar. Dies gilt sowohl für europäische als auch süd- und nordamerikanische Staaten.

 

BABIES, BONDS AND BUILDINGS:
THE SOCIETAL CONSEQUENCES OF THE
FINANCIAL CRISIS IN A TRANSATLANTIC PERSPECTIVE

Prof. Herman Schwartz, Ph.D. (University of Virginia, USA)
Prof. Dr. Hubert Zimmermann (Philipps-Universität Marburg, Germany)

Förderzeitraum: 2013-2015

In dem geförderten Projekt ging es um den Zusammenhang von staatlicher Immobilienpolitik, Altersvorsorge und Fertilität bzw. Familienförderung in entwickelten OECD-Gesellschaften. Die grundlegende These des Projekts lautete, dass zwischen diesen drei gesellschaftlichen Bereichen, vermittelt über das nationale und internationale Finanzsystem, zunehmend enge Wechselwirkungen bestehen, die jeweils spezifische Ausprägungen in europäischen Ländern und den USA aufweisen.

So ist die Art und Weise, in der in unterschiedlichen Gesellschaften Immobilien finanziert werden, eng mit dem Rentensystem verknüpft. Die langfristige Stabilität des Rentensystems hängt wiederum von der Fertilität und damit der Familienpolitik ab. Der Zugang zum Immobilienmarkt beeinflusst Entscheidungen zur Bildung von Familienhaushalten und damit auch Entscheidungen für den Nachwuchs. Die Finanzkrise hatte auf die Dynamik dieser drei Politikbereiche von Land zu Land unterschiedliche Auswirkungen. Ziel des Projekts war es, Elemente dieser Verknüpfungen und ihrer Entwicklung vergleichend durch mehrere Fallstudien in Europa und den USA aufzuzeigen.

Die Forschungen haben gezeigt, dass die Finanzkrise ganz wesentlich einen Trend zur Re-familisierung (die Familie als soziales Netzwerk) verstärkt hat, da der Zugang zu Wohnungsmärkten und damit die Chance der Familiengründung erschwert wurde. Gleichzeitig ist für höher-verdienende Bevölkerungsschichten Hauseigentum als Zukunftsvorsorge weiter in der Bedeutung gestiegen, bei relativ großer stabiler Varianz in den OECD-Ländern.

 

 

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